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Die Wolldecken-Mission
14.02.2002

Solidaritätskonvoi nach Südhebron erreichte sein Ziele - Versuche Jüdischer Siedler, Polizei und des Militärs, die Ta'ayush-Gruppe (Arabisch-Jüdische Partnerschaft) zu stoppen, schlugen fehl.

Die Wolldecken-Mission

[Die schlimme Lage wurde wenigstens von vielen Friedensaktivitäten begleitet. Am Samstag ging Peace Now Ra'anana zur Westbankstadt Biddya, um den örtlichen Kindergarten zu renovieren; Yesh Gvul und New Profile demonstrierten Solidarität mit 6 eingesperrtem COs/Verweigerern im Militärgefängnis; am Abend eine im Fernsehen übertragene Nachtwache "Sharon will keine Ruhe" von Peace Now und Sonntag Nachmittag ein anderer Peace Now Protest gegen die Zerstörung von Rafah in Tel-Aviv mit Knesset Mitgliedern, unter ihnen Yael Dayan von der Arbeiterpartei: "Es ist beschämend Israeli zu sein." - Inzwischen begannen die Medien sich mit der internationalen Kritik zu befassen und die brutalen Aktionen der Regierung im Gazastreifen zu bezweifeln, und die Kriegsverbrechenliste von Gush Shalom beginnt von einem plötzlichen Ausbruch der Zweifel, ob Israel dessen beschuldigt werden könnte, widerzuhallen. - Inmitten all dessen der folgende lesenswerte Bericht über den mutige Ta'ayush Decken-Konvoi von letztem Freitag,
11,1,2002].

Solidaritätskonvoi nach Südhebron erreichte sein Ziele - Versuche Jüdischer Siedler, Polizei und des Militärs, die Ta'ayush-Gruppe (Arabisch-Jüdische Partnerschaft) zu stoppen, schlugen fehl.

Zwei Organisatoren wurden Sekunden, nachdem die Gruppe zu marschieren begann, festgenommen. Die Aktivisten setzen ihren Weg fort, durchbrachen die Polizeiabsperrung trotz der Versuche sie anzuhalten. Es waren etwa 250 Leute, die in Reihen zu 15 mit eingehakten Armen marschierten und die Decken in den Händen hielten. Der Angriff der Polizei mit festen Schlägen, Tritten und Abdrängen konnte die Gruppe nicht aufhalten, die gekommen war um Decken zu bringen und Solidarität mit den palästinensischen Bewohnern von Süd-Hebron zu demonstrieren.

Alles begann einige Stunden früher. Ta'ayush Aktivisten neben Mitgliedern der Rabbis für Menschenrechte und des Komitees gegen Hausabbrüche fuhren von Tel Aviv, Kafr Qasim, Haifa, Jerusalem, Ein Nakuba und anderen Städten in Israel zu einer Kreuzung nahe bei Beer-Sheva. Nach einer kurzen Besprechung wandte sich der Konvoi von 57 Autos und einem kleinen Lastwagen, die Decken und Plastikplanen für große Zelte transportierten, in Richtung Mufakras, einen Weiler in den Hügeln von Südhebron.

Die Gruppe wollte die Palästinenser unterstützen, die gegen den vorsätzlichen und koordinierten Plan der israelischen Regierung, Militär, Zivil-Verwaltung und jüdischen Siedler gekämpft haben, das Gebiet Süd-Hebrons "Araber-frei" zu machen. Dieser Plan beinhaltet wiederholte Ausweisungen der Einwohner von ihrem Land, Zerstörung von Häusern, Zelten und Höhlen, Versiegelung von Wasserquellen, Entwurzelung von Obstgärten und Behinderung der Bewohner, Landwirtschaft zu betreiben und ihr Vieh zu versorgen. Die Regierung verfolgt diesen Plan, indem sie das palästinensische Land enteignet und Verfügungen erläßt, die das Recht der Bewohner beschränken, in der Region zu bleiben. Diese Aktionen werden zu dem Zweck betrieben, die lokale palästinensische Bevölkerung zu zermürben und sie von ihrem Land zu vertreiben.

Einige Meilen bevor der Konvoi sein Ziel erreichte, wurde er vom israelischen Militär und der Polizei gestoppt und den den Aktivisten eine Verordnung gezeigt, wonach die Region eine geschlossene militärische Zone sei. Nach Verhandlungen, in denen die Gruppenorganisatoren klarstellten, daß sie nicht beabsichtigten in den geschlossen Bereich zu gehen, sondern Decken zu der lokalen Bevölkerung in Mufakra zu bringen, erlaubten die Sicherheitsbehörden dem Konvoi weiterzufahren.

Eine halbe Meile vor der Siedlung Susya und drei Meilen vor Mufakra stoppte die Polizei den Konvoi wieder, dieses Mal wegen jüdischer Siedler. Die Fundamentalisten hatten vom Militär und der Polizei gehört, daß die Verwaltungen beschlossen hatten, den Konvoi durchzulassen, und beschlossen die Straße mit ihren Autos zu blockieren. Sie sind unnachgiebig gegen jede Art von Solidarität zwischen Juden und Arabern und waren entschlossen die Begegnung zu verhindern.

Die Polizei bat ihrerseits die Aktivisten zu warten, während sie die Siedler aufösten. Sie sagten, daß sie eine Konfrontation vermeiden wollten, und versprachen den Konvoi durchzulassen, sobald sie die Siedler mit ihren Autos von der Straße bewegt hätten. Es war um Mittag, als die Aktivisten beschlossen, eine halbe Stunde zu warten und der Polizei Gelegenheit zu geben, ihre Arbeit zu tun. Jedoch sah es so aus, daß das geplante jüdisch-moslemische Gebet abgesagt werden müsse.

Es kostete die Polizei und das Militär über eine Stunde, die Siedler mit ihren Autos zu bewegen die Straße zu verlassen. Aber dann beschlossen sie plötzlich, den Konvoi nicht durchzulassen und brachen die Vereinbarung, die sie zuvor mit den Ta'ayush-Organisatoren getroffen hatten.

Es sah so aus, daß die Sicherheitskräfte eine Vereinbarung mit den Siedlern erreicht hatten: die Siedler würden sich auflösen, und das Militär würde der Ta'ayush-Gruppe nicht erlauben, den Solidaritätskonvoi zu Ende zu führen. Die Sicherheitskräfte zogen einen neuen "geschlossene militärische Zonen-Order" heraus, der auf der Stelle fabriziert und durch einen unbefugten Beamten unterschrieben wurde. Den Siedlern in Kooperation mit dem Militär und der Polizei war es gelungen, den Solidaritätskonvoi zu verhindern - vorläufig wenigsten.

Den Ta'ayush-Aktivisten war es jedoch bestimmt ihr Ziel zu erreichen, die Palästinenser zu treffen, mit denen sie den Solidaritätsbesuch geplant hatten, und ihnen Decken zu bringen. Jedes Mitglied nahm eine Decke vom Lastwagen. und die Gruppe - unter ihnen Leute von 20 bis 70, Juden, Araber und Christen, Israelis und Ausländer - begann langsam vorwärts zu marschieren.

Sofort nahm die Polizei zwei der Organisatoren fest - Gadi Algazi und Shmulik Sheintoch. Während diese zwei Organisatoren von der Polizei festgehalten wurden, schrien sie den anderen zu, sie sollten weiter marschieren.

Die Gruppe zögerte nicht. Andere Aktivisten übernahmen die Führung und die Gruppe marschierte vorwärts mit eingehakten Armen, während viele Polizisten und Frauen sie heftig stießen und traten.

Die Leute wurden mit dem Knie in die Seite gestoßen, aus der Reihe herausgerissen und gewürgt, auf den Kopf geschlagen und gedrosselt. Es wurde auch klar, daß die Polizei die Araber aus der Gruppe heraussuchte und sie noch brutaler schlug. Aber trotz der Bemühungen der Polizei hielt die Gruppe zusammen, sie verteidigten einander und marschierten weiter, durchbrachen die Polizeiabsperrung wieder und wieder, während sie wütend schrien, "Nieder mit der Besatzung! Nieder mit der Besatzung!"

Die Aktivisten verringerten rasch die Entfernung zwischen sich und den jüdischen Siedlern, die auf der Straße voraus warteten. Jedesmal wenn sich die Polizei wieder sammelte, brach die Gruppe durch ihre Reihe. Inzwischen konnten die Siedler, die auf dem Weg zu ihrer Siedlung und in Eile waren, vor dem Sabbat nach Hause zu kommen, nicht durchfahren, weil die Ta'ayush Aktivisten die Straße blockierten. Sie hupten und schrien und einer von ihnen verletzte versehentlich einen Polizisten mit seinem Auto, als er versuchte, Aktivisten zu überfahren. Aber ohne Erfolg, da die Aktivisten die Straße geschlossen halten mußten, als sie weiter marschiert .

Die Polizei begriff, daß sie die Ta'ayush-Gruppe nicht stoppen konnte, und bat darum, mit den anderen Organisatoren, die die Stelle derer eingenommen hatten, die festgenommen worden waren, wieder zu verhandeln. Sie stimmten zu, die zwei Verhafteten freizugeben und dem Konvoi zu erlauben, zu Fuß weiterzugehen. Sie baten die Aktivisten nur, die Straße nicht zu blockieren und auf den Hügeln zu gehen, bis sie die Siedlung Susya passierten, um auf diese Weise eine Konfrontation zwischen den Fanatikern und den Friedensaktivisten zu vermeiden.

Nachdem die Häftlinge freigegeben waren, begann die Gruppe den Dreimeilentreck über den Berg und durch tiefen Schlamm zum Dorf Mufakra. Nach etwa 30 Minuten, als sie an der Siedlung Susya vorbei waren, wandten sich die Aktivisten zurück in Richtung der Straße, um den Marsch auf leichterem Terrain fortzusetzen.

Einige jüdische Siedler, hauptsächlich Teenager, wollten das Solidaritätstreffen verhindern und begannen in Richtung der Ta'ayush Aktivisten zu gehen. Sie schrien die Gruppe an, daß sie "alle Araber" und "Verräter" wären.

Das Militär und die Polizei hielten sie zurück. Aber plötzlich, als die Solidaritätsgruppe sich der Straße näherte, ergriff einer der Polizisten Yasser Akawi, einen arabischen Ta'ayush Aktivisten, der ein Kafiah um den Hals trug. Er begann ihn brutal zu schlagen und schrie den anderen Polizisten zu, Yasser hätte ihn angegriffen. Andere Polizisten machten mit, als Ta'ayush-Aktivisten versuchten, Yasser wegzuziehen. Die Polizisten rissen an den Haaren, würgten und traten die Aktivisten, Yasser schlugen sie und stießen ihn in ihren Jeep. Salomka Dunievsky, eine jüdische Aktivistin lief zum Jeep, wo Yasser noch immer geschlagen wurde, und bahnte sich mit Gewalt einen Weg in das Automobil, um ihn zu verteidigen.

Inzwischen setzte die Mehrheit der Gruppe ihren Marsch in Richtung Mufakra fort, während 25 Aktivisten den Jeep umstellten und die Straße blockierten, sodaß keine Autos konnten vorbeikamen, und verhinderten, daß der Jeep Yasser wegbringen konnte. Außerdem vereinbarten sie mit der größeren Gruppe, die noch marschierte, sich auf die Straße zu setzen und sie dort auch zu blockieren. Es war anderthalb Stunden vor dem Sabbat, und die Siedler, die hindurchwollten um ihre Häuser zu erreichen, brüllten und schrien. Wieder verhandelten die Ta'ayush-Mitglieder mit der Polizei, die schließlich einwilligte Yasser freizugeben.

Die Gruppe, die zurückgeblieben war, marschierte schnell und erreichte den Rest der Ta'ayush-Mitglieder, als sie sich von der Hauptstraße wandten, um auf einen großer Hügel zu steigen, auf dessen Spitze sich der Weiler befindet. Es war äußerst kalt. An dieser Stelle trafen sie die lokalen Bewohner, denen nicht erlaubt wird, auf den Hauptstraßen in der Westbank zu reisen. Seit dem Beginn der zweiten Intifada dürfen nur Juden diese Straßen benutzen.

Die palästinensischen Bewohner kamen in kleinen alten Traktoren. Sie luden die Vorräte auf, nahmen einige der müden Aktivisten in ihre Wagen und fuhren langsam den schlammigen Pfad hinauf; die andern gingen zu Fuß weiter. Die ganze Zeit liefen Soldaten auf allen Seiten mit, um die Gruppe zu "beschützten". Ta'ayushs Bitte, daß sie am Fuße des Hügels blieben, wurde ignoriert.

Als die Ta'ayush-Gruppe den Weiler erreichte, begann die Abenddämmerung. In den vier Zelten und einigen Höhlen, wo die lokalen Bewohner lebten, befanden sich etwa 40 Palästinenser, auf unsere Ankunft wartend, Männer, Frauen und Kinder. Früher am Tag waren viel mehr Leute dort gewesen, aber nach stundenlangem Warten mußten sie vor Dunkelheit zu ihren Häusern zurückkehren. Unsere Gastgeber begrüßten die Aktivisten mit heißem Tee und sagten der Gruppe, wie bedeutend dieser Akt der Solidarität für sie sei. "Wir anerkennen die Schwierigkeiten, auf die Sie stießen," sagte einer von ihnen und fügte hinzu "dies ist die Art von Schrecken, mit der die Bewohner hier täglich zu tun haben". Sie drückten die Hoffnung aus, daß Ta'ayush fortfahren würde, mit ihnen zusammen zu arbeiten, um die Ausweisungen und die Besatzung zu beenden. Sie waren auch sehr dankbar für die Decken und die Plastikplanen, die sie gebrauchen können, um es während des strengen Wüstenwinters warm zu haben, und die für sie sehr schwierig zu beschaffen sind wegen ihrer wirtschaftlichen Situation und den schweren Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit.

Einige Aktivisten, die geblieben waren um bei den Autos aufzupassen, stießen in diesem Moment zu der Gruppe und nahmen die Fahrer mit zu den Fahrzeugen, sodaß sie zum Weiler zurückfahren konnten, um die Aktivisten nach Hause zu bringen. Die Gruppe kehrte im Konvoi nach Israel zurück, mit Blessuren und müde, aber mit dem Gefühl etwas geleistet zu haben. Der Versuch der Regierung und der Siedler, jeden Akt der Solidarität zu verhindern, war diesmal fehlgeschlagen, dank der Einheit der Gruppe, ihrer Ausdauer und ihrer Bereitschaft, sich auf gewaltlosen zivilen Ungehorsam festzulegen.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, daß diese Aktion geringfügig ist im Vergleich mit den Ereignissen im Land. Am Tag vor dem Marsch zum Beispiel wurden in Rafah 59 Häuser vernichtet, wodurch etwa 700 Menschen obdachlos wurden.

Diesen Montag, am 14. Januar um 8:00 p.m. gibt es an der Hebräischen Universität eine Veranstaltung zur Ausweisung der Bewohner von Südhebron. Unter den Sprechern sind Sari Nusseibah, David Grossman, Shlomo Leiker und Adi Tal. Für mehr Information: cath@pob.huji.ac.il oder ruf Catherine an: 02-5812275

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Von: Gush Shalom adam@gush-shalom.org
An: List info@gush-shalom.org

Übersetzung: Herrmann Cropp
 


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