zur Startseite Packpapier Verlag Gush Shalom: Selbstdarstellung
Gush Shalom ist die radikalste der israelischen Friedensbewegungen. Oft als "entschlossen", "militant", "radikal" oder "konsequent" bezeichnet, ist sie in Zeiten der Krise wie der al-Aksa Intifada bekannt für ihre unerschütterliche Position. Seit Jahren hat Gush Shalom eine führende Rolle sowohl bei der Definition der moralischen und politischen Vorgehensweise der Friedenskräfte in Israel wie auch beim Aufbrechen des auf Fehlinformation beruhenden sogenannten "nationalen Konsenses" gespielt. Gush Shalom ist eine außerparlamentarische Organisation, die von jeder Partei oder anderen politischen Gruppierungen unabhängig ist. Manche ihrer Aktivisten gehören politischen Parteien an, aber der Gush ist an keiner bestimmten Partei ausgerichtet. (Gush Shalom = Friedensblock)
Ziele:
Das Hauptziel von Gush Shalom ist, die israelische öffentliche Meinung zu beeinflussen und in Richtung von Frieden und Versöhnung mit dem palästinensischen Volk zu führen, auf der Grundlage der folgenden Prinzipien:
- ein Ende der Besatzung zu erreichen
- das Recht des palästinensischen Volkes zu akzeptieren, einen unabhängigen und souveränen Staat Palästina in allen von Israel 1967 eingenommenen Gebieten zu errichten
- die "Green Line" vor 1967 als Grenze zwischen dem Staat Israel und dem Staat Palästina wieder einzusetzen (möglicherweise mit geringfügigem Gebietenstausch im gegenseitigen Einverständnis); die Grenze soll für den freien Verkehr der Menschen und Waren nach gegenseitiger Vereinbarung offen sein.
- Jerusalem als Hauptstadt zweier Staaten mit Ostjerusalem (einschließlich Haram al Sharif) als Hauptstadt von Palästina und Westjerusalem (einschließlich der Westmauer) als Hauptstadt von Israel. Die Stadt soll auf Grundlage gegenseitiger Vereinbarungen physisch und kommunal vereint sein.
- Anerkennung des prinzipiellen Rückkehrrechts der palästinensischen Flüchtlinge, jedem Flüchtling sei erlaubt frei zwischen Ausgleich oder Repatriierung nach Palästina und Israel zu wählen, durch gegenseitige Vereinbarung soll die Anzahl der Flüchtlingen festgelegt werden, die in jährlichen Quoten nach Israel zurückzukehren, ohne die Grundlagen von Israel zu unterhöhlen.
- Wahrung der Sicherheit sowohl Israels als auch Palästinas durch gegenseitige Vereinbarung und Garantien.
- Erstrebung allgemeinen Friedens zwischen Israel und allen arabischen Ländern und die Schaffung einer regionalen Gemeinschaft.
Geschichte:
Der Gush wurde 1993 gegründet, als offensichtlich wurde, daß alle älteren Friedensgruppen in Israel entweder außerstande oder nicht Willens waren, gegen die von der Laborregierung unter Yitzhak Rabin eingeleiteten repressiven Maße zu opponieren.
Als Rabin 1992 415 islamische Aktivisten aus dem Land auswies, führte ein spontaner Protest von jüdischen und arabischen Israelis zur Aufstellung von Protestzelten gegenüber dem Büro des Premierministers in Jerusalem. Dieser Protest währte 45 Tage und Nächte während des Winters. Aufgrund der Debatten in den Zelten und angesichts der Stille aus anderen israelischen Friedensgruppen, kamen einige der Demonstranten zu dem Entschluß, daß eine neue israelische Friedensbewegung erforderlich sei. Sie definierten sich als "Friedlicher als Frieden Jetzt" und gründeten Gush Shalom.
Struktur:
Der Gush vergleicht seine Rolle mit einem unabhängigen, kleinen, aber starken Rad, das ein größeres aktiviert, das wiederum ein noch größeres Rad aktiviert usw. Unabhängig von jeder Rücksicht auf Parteiinteressen, noch um flüchtige Beliebtheit werbend, ist Gush frei die Wahrheit so zu sagen, wie er sie sieht, und für ihre Akzeptanz in einer viel größeren Öffentlichkeit zu arbeiten. Folglich vertritt Gush (und lange zuvor seine Gründer) seine Ideen Jahre und manchmal Jahrzehnte vor den etablierten Parteien und Friedensorganisationen (zB. Anerkennung des palästinensischen Volkes, Verhandlungen mit der PLO, Anerkennung eines palästinensischen Staats, Annahme des Prinzips der Rückkehr, Jerusalem als Hauptstadt zweier Staaten, Rücknahme der Siedlungen).
Wie in Israel üblich, hat Gush keine "Mitgliedskarten-Mitglieder". Er setzt sich aus mehreren konzentrischen Kreisen zusammen:
- der innere Kern besteht aus etwa hundert Aktivisten, die dieser Aufgabe einen großen Teil ihrer Zeit und Energie (und einige von ihnen, all ihre Zeit und Energie) widmen. Keiner von ihnen erhält ein Gehalt oder eine Vergütung irgendeiner Art. Der Gush hat keine Gehaltsempfänger. Im allgemeinen bezahlen Gushaktivisten ihre eigenen Kosten, einschließlich Busfahrkarten zu Demonstrationen. Diese Aktivisten stehen andauernd für Demonstrationen und andere dringende Aktionen bereit.
- Eine größere Gruppen von etwa 600 Aktivisten steht auf der Gush-Aktionsliste und nimmt an größeren Aktionen verschiedener Art teil (siehe unten).
- Einige tausend mehr identifizieren sich mit Gush, nehmen an Aktivitäten teil und helfen Kampagnen in der Öffentlichkeit durchzuführen. Viele von ihnen identifizieren sich mit Gush durch Spenden für Aktionen.
Der Gush hat äußerst geringe finanzielle Ressourcen. Er erhält keine Mittel von irgendwelchen israelischen oder internationalen Organisation, außer gelegentlichen, bescheidenen Spenden von Friedensgruppen und Personen in verschiedenen Ländern (wie Holland und Deutschland). Der Hauptteil der finanziellen Last wird von einzelnen israelischen Staatsbürgern getragen, die es als ihre moralische Pflicht betrachten, den Gush so gut zu unterstützen, wie sie können. Sie verdienen eine entsprechende Anerkennung.
Aktionen:
Gush Shalom ist, anders als jede andere Friedens- oder Menschenrechtsorganisation in Israel, auf einer sehr breiten Front aktiv. Die Aktivitäten lassen sich in mehrere Kategorien aufteilen:
Kampagnen für Politische Bildung, nur von Gush initiiert und geführt, wie:
- "Freilassung aller palästinensischen Gefangenen sofort!" - eine Kampagne, die mit einer Massendemonstration von etwa 6000 Israelis und Palästinensern vor dem Gefängnis in Nablus am Morgen der Oslo-Vereinbarung (1993) begann.
- "Verletzungen der Oslo-Vereinbarung" - ein gemeinsam von Gush und dem Palästina-Friedensinformationszentrum erstelltes Dokument (1994).
- "Jerusalem - Hauptstadt zweier Staaten" beginnend mit der Veröffentlichung des Manifests "Unser Jerusalem", unterschrieben von 675 führenden israelischen Intellektuellen und Künstlern, wodurch das offizielle Tabu zum ersten Mal gebrochen wurde (1995) .
- "Stoppt die Planierraupen!" - eine monatelange Kampagne gegen den Bau neuer jüdischer Siedlungen, zuerst bei Jebel Abu-Ghneim (Har Homa) nahe Bethlehem und später bei Ras-al-Amud nahe Jerusalem (1997).
- "Nationaler Boykott von den Produkten der Siedlungen!" - die Kampagne begann 1997 und dauert an, Zehntausende israelischer Haushalte fragten nach und erhielten detaillierte Listen von Produkten aus den Industrieparks der Siedlungen, wodurch ihnen ermöglichten wurde sich dem Boykott anzuschließen. Diese Kampagne hat eine internationale Größenordnung erreicht.
- "Die Green Line markieren " - eine Kampagne, um die Vor-1967-Grenze im öffentlichem Bewußtsein wiederherzustellen. Aktivisten markierten die Linie physisch mit grüner Farbe auf dem Boden (1998).
- "Das Recht der palästinensischen Nation, die Errichtung des Staates Palästina in allen Gebieten der Westbank und des Gaza Streifens zu proklamieren" - ein von 440 prominenten Israelis (1999) unterschriebenes Manifest.
- "Rückkehrrecht" - Gush entschleierte seinen Plan für eine gerechte und praktizierbare Lösung des Flüchtlingsproblems (1999).
- "Raus aus allen besetzten Gebieten" - eine Grundforderung von Gush von Anfang an, die das Thema einer sofort nach dem Ausbruch der al-Aqsa-Intifada von Gush initiierten neuen Kampagne wurde (2000).
- "Heute beginnt der Countdown zum nächsten Krieg " - große Anzeige am Tag, als die nationale Einheitsregierung von Ariel Sharon und Shimon Peres formiert wurde (2001).
- "Wir rufen zur sofortigen Schaffung einer internationalen Friedenstruppe in Palästina auf" - Protestkampagne gegen die intensivierte Unterdrückung in den besetzten Gebieten (2001).
- "Achtzig Thesen für ein neues Friedenscamp" - eine weitreichende Erklärung, die einen völlig anderen Ansatz zum israelisch-palästinensischen Frieden durch Gegenüberstellung der ausschließlich nationalen Sichtweisen beider Seiten, und diese in einen neuen Rahmen einzubinden, ankündigt (2001).
- "Barak's großzügige Angebote..." - eine einfache, klare Darstellung mit Landkarten für massenhafte Verbreitung und als Antwort auf die bekannte Propagandabehauptung, daß "Wir ihnen alles gaben, und sie gaben uns Krieg" (2001).
Während dieser Kampagnen hat Gush Hunderte von Demonstrationen durchgeführt und unzählige direkte Aktionen in täglichen Notfällen. Die meisten waren Gemeinschaftsaktionen mit Palästinensern, viele geschahen in Kooperation mit anderen Friedens- und Menschenrechtsorganisationen, einige allein von Gush-Shalom. Einige neue Beispiele:
- Teilnahme am Wiederaufbau von durch die Besatzungsarmee (Kifel Hares, Katana und Anata Dörfer) zerstörten Häusern.
- Zuschütten von Gräben, die die Besatzungsarmee gegraben hat, um palästinensische Dörfern (Rantis) abzuschneiden.
- Durchbrechen von "Closure"-Barrieren mit Palästinensern, die dasselbe von der anderen Seite (Bethlehem) tun.
- Demonstation mit Dorfbewohnern gegen neue "Gipfelvorposten" von Siedlern auf palästinensischem Land (al-Khadar).
- Olivenernte für Dorfbewohner, die von den Siedlern und der Armee daran gehindert werden ihre Haine (Hares) zu betreten.
Aufkleber, Flyer, Embleme usw..
Über die Jahre hat Gush ein breites Programm von Aufklebern veröffentlicht und verteilt wie "Holt die Soldaten aus dem Libanon heim" (später: "Holt die Soldaten aus den besetzten Gebieten heim"), "Jerusalem - Hauptstadt zweier Staaten", "Die Grüne Linie - Grenze des Friedens", "Es gibt keine legalen Siedlungen. Punkt", "Ich kaufe keine Produkte der Siedlungen - jeder Schekel für die Siedlungen ist ein Schekel gegen Frieden". Der beliebtste Aufkleber ist aus den Flaggen von Israel und Palästina zusammengesetzt. Die zwei zusammengefügten Flaggen sind auch das offizielle Emblem vom Gush.
Wöchentliche politische Erklärung.
Seit 1993 schaltet Gush Shalom eine wöchentliche politische Anzeige in Haaretz (jeden Freitag, Seite 2 , linke Ecke unten). Es wird allgemeinen bestätigt, daß diese Erklärungen die wöchentliche politische Agenda für das Friedenslager, weit über die Grenzen von Gush Sahlom hinaus, beeinflussen.