zur Startseite Packpapier Verlag



Return-Path: <gush-shalom-intl-admin@mailman.gush-shalom.org>
Date: Tue, 1 Oct 2002 00:16:46 +0200

= == = == = == === = == = === == = == = == = == = == =
Wiederaufnahme der Verhandlungen gegen Barghouti - wir sollten dort sein!
= == = == = == === = == = === == = == = == = == = == =
Donnerstag dieser Woche beginnt in Tel-Aviv wieder die Verhandlung gegen Marwan Barghouti, Führer der Fatah Bewegung in der Westbank.
Bei der letzten Sitzung vor einem Monat zeigten sich die Mitglieder der äußersten Rechten und nutzten die Gelegenheit für wütende und wilde rassistische Aufwiegelung - ohne jede Gegenwart der Friedensbewegung. Wir müssen dafür sorgen, daß das nicht wieder geschieht. Aktivisten von mehreren Organisationen (und/oder von keiner besonderen Organisation) beabsichtigen auf jeden Fall, dieses Mal dort zu sein.
Es ist wichtig hervorzuheben, daß Marwan Barghouti ein palästinensischer Führer ist, der fest entschlossen ist zu der Zweistaatenlösung, zu einem Staat Palästina neben dem Staat Israel. Entsprechend der Anklage des Staates Israel versuchte Barghouti, Selbstmordbombenangriffe auf israelischem Gebiet zu verhindern und den Konflikt nur auf die eingenommenen Gebiete zu beschränken.
In den letzten Monatenhat sich Barghouti aus seiner Gefängniszelle heraus aktiv bemüht eine Feuereinstellung zu erreichen - Bemühungen, die durch dauernde Provokationen zu vereiteln die Sharonregierung alles tut. Der Ort mit Marwan Barghouti zu verhandeln ist nicht das Gefängnis, sondern der Verhandlungstisch. Jene die Barghouti anklagen, wie auch jene die Arafat belagerten, wollen keinen Frieden mit irgendeinem Palästinenser machen.
Marwan Barghoutis Prozeß findet Donnerstag dieser Woche (3. Oktober) im Saal von Richter Gurfinkel am Bezirksgericht von Tel-Aviv statt (Ecke von Weizman St. und Sderot Saul Hamelech). Voraussichtlich um 12,00 mittags beginnt die Verhandlung, aber um einen Platz im Gerichtssaal zu bekommen ist es notwendig, schon um 11,00 a.m. oder sogar 10,30 a.m. zu kommen. Aber auch wenn Sie keinen Platz mehr bekommen, wäre es immer noch wichtig, anwesend zu sein, außerhalb des Saals in der Menge, die einschließlich der Vertreter der Medien erwartet wird. Kurz: man sieht sich!
Wenn Sie per Email abonnieren wollen: gush-shalom-intl-request@mailman.gush-shalom.org und schreiben Sie „subscribe“ in die Betreffzeile.
===================================================

To:  „Gush Shalom (Israeli Peace Bloc)“ <info@gush-shalom.org>
Subject:  URGENT Appeal from Radio Tariq Al Mahabbeh

Dringender Appell von Radio Tariq Al Mahabbeh

Liebe Freunde
Grüße aus Nablus, das unter der vom israelischen Militär seit dem 20. Juni auferlegten Ausgangssperre (bei sporadischer Aufhebung für einige Stunden alle zwei Wochen oder so) geschmachtet hat. Jede Art sozialen, ökonomischen, kulturellen und menschlichen Lebens ist unterbrochen worden. Und jetzt sind wir von der letzten israelischen Aggression gegen die ganze Stadt Nablus geschlagen worden, viele Leute wurden getötet, Häuser vernichtet und die Geschichte unserer alten, teuren Stadt ausgelöscht. Diesen Angriffen auf unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft können nur mit der Unterstützung von Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit liebenden Menschen in der ganzen Welt standhalten.
Es ist unsere besondere Situation unter der Belagerung und Ausgangssperre - Nahrung und Medizin gehen zur Neige, Wasser wurde abgestellt und elektrische Generatoren zerstört, Kinder terrorisiert, sozial, ökonomisch, Schulen geschlossen, und die politische Entwicklungen verkümmert - darum richten wir einen Appell an Sie alle, denn Sie sind unsere letzte Hoffnung. Wir bitten Sie darum einzugreifen und alle Ihnen zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden, um Israel unter Druck zu setzen, die Ausgangssperre von Nablus und den anderen palästinensischen Gemeinden aufzuheben, die je nach Laune von Sharon und seiner blutdürstige Regierung als Geiseln gehalten werden.
Wir versuchen verzweifelt, unserem journalistischen Auftrag nachzukommen, und informieren unsere Öffentlichkeit in Nablus über die Entwicklungen. Wie Sie jedoch wissen werden, ist unsere Aufgabe gefährlich und kompliziert. Im April beschloß Israel, alle Städte und Dörfer in der West Bank wiederzubesetzen. Während der Zeit wurde unsere Station besetzt, und zwei unserer Reporter, die sich weigerten die Station zu verlassen und darauf bestanden, der Bevölkerung von Nablus von den Ereignisse zu berichten, fast getötet. Unglücklicherweise trafen schwere Geschosse und Raketen unsere Studios und zerstörten zwei Sender und andere Ausrüstung im Wert von über $ 50.000,00 Dollars völlig.
Schon vor der letzten Intifada hat das israelische Militär unsere Sender vom Berg Jerzim unter dem Vorwand beschlagnahmt, damit israelische Piratensender zu stoppen. Und obwohl die palästinensischen Behörden ihrem israelischen Gegenüber klargemacht haben, daß wir eine legitimierte und vollständig lizenzierte Rundfunkstation sind, wurden unsere Sender nie an uns zurückgegeben, noch wurden wir für den Verlust entschädigt. Ein alter Bereitschaftssender wurde an einem neuen Standort installiert, aber wir konnten nicht mehr über ganz Palästina senden; wir mußten uns auf Nablus und die nördlichen Teile der West Bank beschränken.
Während der Besetzung im April hatte die israelische Armee unseren neuen Standort gestürmt und verursachte einen Kurzschluß, der unsere Sender völlig zerstörte.  Wir installierten einen anderen Satz von Sendern, die wir zuvor für Livesendungen im Freien verwandten, das israelische Militär hat den Sender am 4. September wieder gestürmt und die Anlage beschlagnahmt.  Wir sind nun darauf beschränkt für die Stadt Nablus zu senden, unsere Dienste in Nachbardörfern und Städten sind verhindert.
Unsere Verluste übersteigen seit April diesen Jahres US-$ 150.000,00. (Für Leute in Amerika und Europa mag diese Summe klein erscheinen, aber hier ist eine riesige Investition). Wir werden ebenso von der israelischen Besatzung wie von dem Mangel von Geld bedroht.
Die Dinge werden von Tag zu Tag schlechter. Im Gegensatz zu Journalisten anderswo ist unser Auftrag nicht nur die Nachrichten zu bringen. Wir übertreiben nicht, wenn wir sagen, daß wir die Rettungsleine dieser Gemeinschaft sind. Vor April und der direkten israelischen Wiederbesetzung von Nablus pflegten wir alle 15 Minuten einen „Straßensituationsbericht“ zu senden, um die Leute zu informieren, welche Nebenstraßen sie nehmen können um Kranken und Verletzte zu den Krankenhäusern zu bringen oder einige wichtige Dokumente einzureichen (manchmal können die Menschen außerhalb von Palästina sich nicht vorstellen, daß niemand eine Reise machen und einen israelischen Kontrollpunkt passieren würde, wenn es nicht absolut notwendig wäre. Es ist nicht gerade die Gefahr, die mit solch einer Reise verbunden ist, sondern die Beschwerlichkeit weite Strecken zu laufen mit dem Risiko, zurückgeschickt zu werden, und am wichtigsten sind die enormen Kosten, wenn die Leute kein Geld für Nahrung, Medizin, Wasser und Stromrechnungen haben). Diese Straßenberichte wurden von der Bevölkerung von Nablus und den umliegenden Dörfern und Flüchtlingslagern wie Balata, Askar und Ein gehört. Wir gaben jeweils einen Notfallbericht, wenn jemand eine israelische Streife nahe den offenen Straßen entdeckte und über Jawwal anrief, (lokales palästinensisches Mobilnetz) um uns zu benachrichtigen. Nun, da die Straßen völlig blockiert werden und niemand hereinkommt oder Nablus verläßt, dienen wir als die einzige Informationsquelle, wenn wir die Namen der Märtyrer traurig ankündigen, um den Leuten zu erlauben, Begräbnisse zu besuchen und Beileid auszudrücken - die einzige Form von sozialer Unterstützung, die Menschen einander angesichts der ununterbrochenen 24-stündigen Ausgangssperre geben können.
Der Lebensstil hat sich für jeden in Palästina geändert: Die allgemeinen Immatrikulationsprüfungen der High-School enden normalerweise bis Mitte Juni. In Nablus wurden die Tawjeehi-Prüfungen bis Ende Juli verschoben. Die Verzögerung bei der Aufnahme, Prüfung und Bekanntgabe der Ergebnisse der Prüfungen (6. August) haben den palästinensischen High-Schoolstudenten schon viel von erforderlicher Zeit geraubt, die sie brauchen um sich an palästinensischen und anderen arabischen Universitäten zu bewerben. Unter normalen Umständen geben Zeitungen und die Schule die Ergebnisse der High-Schoolprüfungen bekannt.
 Aber da über uns eine Ausgangssperre verhängt ist, haben seit einiger Zeit keine Zeitungen mehr Nablus erreicht. Schulen sind der andere Ort, wo Studenten ihre Ergebnisse finden können. Aber die meisten Schulen in Nablus sind jetzt vom israelischen Militär besetzt und zu bewaffneten Posten gemacht worden.
Wegen dieser Hindernisse beschlossen wir unsere Rundfunkstation weiter zu betreiben, um die Namen der Studenten und den Notenschnitt bekanntzugeben, den sie oder er in den Prüfungen erhielt. Obwohl diese Entscheidung uns Geld gekostet hat, das wir nicht haben, nicht zu erwähnen das Risiko, das wir eingingen um zum Sender zu kommen und die Ankündigungen zu machen, waren wir mehr als froh, unserer Öffentlichkeit, die nichts gehabt hat, aber schlimme und schlechtere Nachrichten Tag für Tag, gute Neuigkeiten zu berichten. Studenten riefen an um sich zu bedanken, und Eltern feierten den Erfolg ihrer Kinder; das war das Risiko wert.
Das neue Schuljahr wurde auch unterbrochen; die Schüler in Nablus besuchten nur am ersten Tag die Schulen, dann wurde die Ausgangssperre wieder verhängt, wodurch mehr als 60.000 Schüler in Nablus ohne Unterricht blieben. Wir brachten Programme und Talkshows, die das Bildungsministerium möglicherweise veranlaßten, die Schulen zu öffnen, und die Eltern ihre Kinder zur Schule zu schicken - in der Ausgangssperre -. Da jedoch nicht alle Schüler einen sicheren Schulweg hatten, starteten wir eine neue Serie von Bildungsprogrammen, die Schülern während einiger fehlender Schultage geholfen haben.
In unserem Programm gab es auch Anrufe von Kranken, die nach Medizin oder medizinischem Rat fragten. Wenn wir solch einen Anruf erhalten, wenden wir uns an Ärzte und Nachbarn um jenen medizinische Hilfe zu liefern, die sie nicht sonst erhalten würden. Wir haben auch angerufen und sind von Familien angerufen worden, die vom israelischen Militär als Geiseln gehalten worden waren. Zum Beispiel riefen wir am 4. August Herrn Nidal Shafiee an, der zusammen mit 97 anderen Verwandten und Nachbarn im Freitekh-Haus in der Altstadt von Nablus eingeschlossen war. Herr Shafiee erklärte über Funk, daß die 98 Leute keine Elektrizität, kein Wasser und keine Milch für Babies hätten. Wir wandten uns an die Entlastungskomitees, die in der Lage waren, durch die israelische Belagerung zu kommen und Hilfe zu bringen.
Obwohl wir unsere täglichen Programme auf ein Minimum reduzierten, mußten einige der noch übrigen Programme gestrichen werden, weil die Ausgangssperre verhinderte, daß Tageszeitungen Nablus erreichten. Trotz der hohen Kosten für Radioprogramme, senden wir immer noch Kinderprogramme, um den Kindern zu helfen, mit den Ängsten und Traumata umzugehen, die von der Ausgangssperre, der Besatzung und der täglichen Militärpräsenz ausgehen.
Alle unserer Dienste sind gratis. Wir gelten als kommerzielle Rundfunkstation. Wir begannen als ein Medium, um soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte zu fördern. Wir pflegten kulturelle und soziale Analysen anzubieten und alle lokalen und nationalen Nachrichten abzudecken. Wir hatten Sponsoren für verschiedene Vorstellungen, insbesondere Kaufleute, die ihr Geschäft fördern wollten. Seit dem Ausbruch der Aqsa Intifada jedoch sind wir nicht in der Lage gewesen, Gelder zu beschaffen um die Gehälter unserer Mitarbeiter oder Telefon, Fax, Mobiltelefon oder Internetrechnungen zu bezahlen. Wir hatten eine stehende Verbindung zum Internet, aber wir mußten sie aus Geldmangel  aufgeben.
Wir bitten Sie deshalb alle, uns bei unserer Mission bitte zu helfen. Verstärken Sie Ihre Bemühungen, die Besetzung unseres Landes zu beenden, so daß wir frei und friedlich wie alle Leute auf dem Angesicht der Erde leben können; wir verdienen es nicht weniger als andere Menschen. Und wir bitten Sie auch darum, uns zu helfen Geld zu sammeln, um diese Radiostation zu unterstützen, der wirklich einzigen Rettungsleine der Menschen von Nablus. Wir versprechen Ihnen weiterhin allen Versuchen zu widerstehen, uns von unserem Land zu entwurzeln und unsere Identität auszulöschen. Wir hoffen, daß Sie die Unterstützung geben können, die uns erlaubt, unsere Opfer weiter zu erbringen.
Wir haben unsere Kosten auf ein Minimum reduziert; unsere Telefonleitungen wurde reduziert auf vier statt 13, unsere Mitarbeiter haben zugestimmt auf 50% ihrer Gehälter zu verzichten, und wir haben die laufenden Kosten eingeschränkt oder aufgegeben, indem wir auf viele tägliche Notwendigkeiten verzichteten, wie das Kopieren der Papiere, feste Internetverbindung usw.  Jedoch befinden wir uns immer noch in der verzweifelten Notlage, US-$ 5000 zu brauchen, um Kosten zu decken, ohne die wir nichts tun können. Wir müssen auch zwei weitere Sätze von Sendern kaufen, um einen beschädigten in unseren Hauptstudios und einen beschlagnahmten Relaissender zu ersetzen.

Für Gerechtigkeit, Frieden und ein freies Palästina, Amer Abdelhadi, Geschäftsführer, Tariq Al-Mahabbeh 97,7 FM, Nablus unter Belagerung

Unten sind die Bankdetails: Kontoname: Amer Abdelhadi, Bankname: Bank von Palästina, Kontonummer: 177080, Banknummer: 89, Zweignummer: 457, Swift Code: palsps22, Palästina

Meine Postaddresse, Amer Abdelhadi, P. O. Box 1524, Al Adel Street, Nablus, Palestine

Mobile:+972 59 371372
 
 

zur Startseite Packpapier Verlag