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housemitteilung 02#4 16,7,2002

1. Künstlerdorf 2002 nur in Vlotho
2. meine nächsten Termine
3. Postmoderne Linke
4. Hafendruckerei/Contraste
5. neuer Katalog
6. Die Deportation einer kurdischen Familie
7. dieser Rundbrief

1. Künstlerdorf 2002 nur in Vlotho
- Vorbereitungstreffen in der Kulturtankstelle Schledehausen am Wochenende 3-4.
August???
- diesmal ohne Unterstützung der Veranstalter, dh Strom und Wasser kriegen wir,
naja, warum auch nicht, eigentlich ganz gerecht, das Elend gleichmäßig zu
verteilen, da fallen einem immer die besten Sachen ein. Mit Elend mein ich
übrigens auch die Typen, die ihr vieles Geld versaufen, und wir dürfen sie dann
künstlerisch therapieren
- das Künstlerdorf ist schon als Widerspruch zur Bühnenkultur gedacht, die
sowohl von den Veranstaltern favorisiert wird, wie auch von großen Teilen des
Publikums - ABER beim Herzbergfestival beschwerte sich Kalle Becker sogar, daß
die Leute gar nicht zur Bühne kämen und sich lieber auf dem Platz bei den vielen
angebotenen Aktivitäten amüsierten! Na?!
- eine Ausstellung wird es diesmal voraussichtlich von Claudia Romans geben -
Piko will uns (uns = ja, wir sind schon ein paar Leute) für eine Kunstaktion mit
den Besuchern gewinnen, genaueres folgt
- Barbara von Scherazade hilft uns aus der Klemme mit den diesmal nicht zur
Verfügung gestellten Zelten, sie karrt uns zwei Holzhäuschen/stände auf die
Wiese, zwischen die wir eine große Plane spannen können und somit auch ein
stabiles Zelt haben
- außerdem stell ich den Fallschirm von Lothar auf (Lothar schippert zZ irgendwo
im Pazifik), und wenn wir uns noch einiges einfallen lassen, kriegen wir schon
einen Kreis zusammen
- Piko hat glaubich ein paar Freunde engagiert, die in einer Art
Mirakulix-Kessel (aus dem Museum) Suppe kochen wollen, denn Jule mit der
Veganküche fehlt uns sehr, außerdem sieht es so aus, als dürften die Akteure des
Künstlerdorfs umsonst Suppe haben
- alkfreie Zone, wär das was? Piko ist dagegen, Petra dafür, Claudia glaubich
auch, ob sichs durchsetzen ließe, ist zweifelhaft, aber wäre doch zumindest eine
nette Geste, oder?
- ganz wichtig ist aber, daß von Anfang an genug Leute da sind, die mit
aufbauen, auch wenn es erst so aussieht, daß das nicht viel Arbeit wäre, aber
ich weiß inzwischen, wie lange das dauert einen Platz mit viel Liebe zu
gestalten, Holz aus dem Wald holen und ne Saurierplastik draus zu machen oder
Schilder malen oder oder ... bitte wer kann soll schon Mittwoch aufkreuzen!

2. meine nächsten Termine
- let love rule und die Geburtstagsparty in Halle hab ich verpaßt.
- 6,7, Friedensfestival Iserlohn, das war schön, und für nächstes Jahr werde ich
dort evtl einen Workshop oder jedenfalls irgendwas mit Sprache anbieten, aber
keine Friedensrede, lieber diskutieren
- 20-21,7, Hippiefestival Burg Herzberg
- 23-24,7, Wendlandcamp, da werde ich einen Literaturworkshop zu Alfred Andersch
machen
- 26-28,7, Hippiefestival Freiberg, Sachsen
- 13+14,8, mit Klaus dem Geiger und Jens Uwe Ries, Biohof Detlefsen + Alte Post,
Sylt
- 16,8, OpenAir Fresenhagen, Rio Reiser Haus, auch mit Klaus dem Geiger
- 24-25,8, Badeseefestival Bensheim
- 30,8,-1,9, U+D Vlotho
ach ja, am 7,9, mal was anderes, in einem selbstorganisierten Polittreffpunkt
irgendwo da im Ruhrpott stell ich August Strindberg vor, ein Literatursalon
also, ich wurde auch schon vor viel Widerspruch gewarnt, Alfred Andersch wäre da
vielleicht nicht so riskant ...

3. Postmoderne Linke
Auf dem Open Ohr Festival in Mainz hatte ich über Pfingsten Gelegenheit meine
dringendsten Gedanken über den Zustand und die Zukunft der nicht mehr oder ganz
anders gestrickten Linken vorzutragen. Soviel ich sehe, bin ich - zumindest in
Deutschland - der einzige, der eine postmoderne Linke propagiert. Und natürlich
auch mit Inhalt füllt - die Postmoderne zu definieren, und ob/wie darin
emanzipatorische Bewegungen möglich sind, ist schon seit Jahren mein Anliegen.
Der Text steht auf meiner Webseite unter Aktuelles, auf Wunsch kann ich auch den
Druck zusenden.

4. Hafendruckerei/Contraste - da sich zur Zeit die Konkurse häufen und auch
meine besten Freunde aus 2 Druckereien in Münster davon betroffen sind, kann ich
nicht anders als darüber schreiben, teils meine Empörung, teils meine Hoffnung -
teils auch Ratlosigkeit, ob es das Werk einer Nemesis ist, deren Rache wir uns
unwissentlich zugezogen haben. Nur habe ich nicht mehr die Möglichkeit sowas in
Contraste zu veröffentlichen, deshalb arbeite ich in Ermangelung adäquater
Medien an
einer anderen Veröffentlichungsform, was komplexes, buchartiges, ziemlich
langes, wo ich mich dann auch mal richtig ausschreiben kann. Wir werden sehen.

5. Der neue Katalog ist fertig, war viel Arbeit. Auf Wunsch schicke ich auch
größere Mengen zum weiterverteilen.

6. Die Deportation einer kurdischen Familie - eine kurdische Familie hier im
Nachbardorf soll ausgewiesen werden. Die Prozesse sind alle schon verloren, und
als ziemlich letztes Mittel bleibt uns der Versuch, die Nachbarn im Dorf für die
Sache zu gewinnen. Es ist auch eine ziemlich einmalige Situation, ein seltener
Fall gelungener Integration mit deutschen und türkischen Familien, obwohl die
Eltern nicht deutsch sprechen und nur wenig Deutsch verstehen, aber die sechs
Kinder es um so besser können. Die rechtlichen Mittel geben ohnehin nur eine
Hoffnung auf 3% Erfolg, 97% werden abgelehnt. Und das übliche politische
Vorgehen, wo politisch motivierte Deutsche sich für Asylanten einsetzen, die
ihnen gleichwohl immer fremd bleiben, da auch sie eine Vermischung der Kulturen
nicht wirklich anstreben (möglicherweise weil ihnen die eigene Kultur fremd oder
widerwärtig ist) und bestenfalls hoffen, einige der Ausländer in die autonome
Subkultur zu assimilieren, verspricht auch wenig Erfolg.
Eine kulturelle Vermischung ist aber möglich, sie ist sogar schön, erlösend und
befriedigend, aus ihr erwächst eine ganz andere Solidarität von interkultureller
Nachbarschaftlichkeit, und ein Dokument dieses Vorgangs ist die Broschüre
"Familie Demir soll hier bleiben", die ich soeben gedruckt habe. Das beste daran
sind vielleicht die Kinderbilder zweier Töchter der Demirs und ihrer
Freundinnen, in ihrer einfachen, guten Sprache sind sie sogar erschütternd.
Außerdem enthält die Broschüre Textbeiträge von Freunden der Demirs, einen
längeren, persönlich gehaltenen Erlebnisbericht von Astrid, die sich am meisten
um diese Familie bemüht hat, und einen Text von mir. Irgendwie wunder ich mich
jetzt, daß dieses Werk so unscheinbar und unschuldig aussieht, aber es steckt
viel Arbeit darin, an die 150 Stunden allein von mir (letztes Jahr waren es für
meine Publikation zur Agrarwende sogar 220 Stunden - und natürlich frage ich
mich da, wieviele Menschen sowas eigentlich erreicht ...). Wir hoffen zu
erreichen, daß in dem Dorf Bohmte ein Wunder an Gemeinschaftsgeist geschieht -
gegen Rückporto schicke ich dir diese Broschüre gerne zu.

7. dieser Rundbrief - du kannst ihn bestellen oder abbestellen, einfach Bescheid
sagen.
    Gruß! Herrmann Cropp

housemitteilung mai'2

nicht daß ich schon die Lösung aller Probleme hätte, in denen ich (und nicht nur ich) mich mit meinen Kulturaktivitäten befinde, immerhin sehe ich aber eine Perspektive vermehrter Kommunikation und Anteilnahme, wodurch ich am ehesten die Hoffnung habe, daß nicht alles den Bach runtergeht. Vor allem waren es ja fast euer aller Reaktionen, wie ihr mitüberlegtet, teils aus eurer ganz persönlichen Situation heraus, die mich in der Vermutung bestärkt haben, daß es weniger ökonomisch und mehr, indem wir aufeinander achten und aktiv nach Berührungspunkten und Möglichheiten einer weiteren Kooperation suchen, ganz gut weitergehen kann. Vermutlich ist der mangelnde Zusammenhalt unter anderm aus einem verstärkten Bedürfnis nach Freiheit, nach Unabhängigkeit von Kollektiven und Meinungsführerschaften entstanden, worauf der nächste Schritt vielleicht wäre, in einer angemessene Art und Weise, ohne uns zu erdrücken oder zu behindern, soetwas wie eine postmoderne Gemeinschaftlichkeit entwerfen, und meine jetzige  Konsequenz, also nicht Lösung, wäre, daß ich hiermit meine kulturaktivistischen housemitteilungen an alle, die sich an den Überlegungen anläßlich meines Stimmungsprotokolls vom Februar beteiligt haben, versende (wer diese Mitteilungen abbestellen möchte, benachrichtige mich bitte).
Die Leichtigkeit des Seins ist mir seit der ungewöhnlichen Häufung meiner Mißgeschicke ja ein bißchen abhanden gekommen, aber das schadet nichts, hauptsache ich kann immer tun und machen und werd schon was erreichen (dessen Ziel mir allerdings nicht recht klar ist, vielleicht die permanente Revolution, Veränderung ja, Ziele nein). Möglicherweise ist so eine Hausmitteilung wie diese geeignet, das was bisher fehlte zu überbrücken, indem ich die an meiner Arbeit Interessierten über Pläne und Erreichtes auf dem Laufenden halte, und womöglich gibt das wieder Anlaß für das eine oder andre neue Projekt.

1. Finanzamt und Kohle
2. Zensur bei Contraste und Graswurzel
3. UWZ-Druckerei und Hafendruckerei Münster
4. neue Titel und Nachdrucke
5. Termine:
6. Festival-Künstlerdorf 2002, Bauwagen, Kulturtankstelle
7. das neue Projekt

1. Finanzamt und Kohle
mit dem Finanzamt sieht es ganz gut aus, jedenfalls bin ich noch nicht stillgelegt, irgendwie scheint es, daß einer der Beamten übers Ziel geschossen hat, aber noch bin ich nicht ausm Schneider. Kohlemäßig haben die Bestellungen zwar nicht gewaltig aber doch einigermaßen zugenommen, zB durch Sammelbestellungen, wie ich es angeregt hatte, durch persönliches weitersagen und auch durch neue Druckprojekte (die Zeitung des FrauenLesbenreferats in Osnabrück und drei Bücher von Alexander Nabben, der mir 1300 Euro vorfinanziert hat)

2. Zensur bei Contraste und Graswurzel
vom Contrasteplenum bekam ich im März ein Bitte mit 8 Unterschriften, mich wieder auf sie einzulassen, sie bedauerten meinen Rückzug und fragten, was ich von ihnen erwartete? Auf den Grund, daß meine Arbeit zensiert wurde, kamen sie leider nicht zu sprechen. Mit Bernd Drücke von der Graswurzel habe ich mich aus demselben Grund überworfen, in der Februarausgabe hat der Herausgeberkreis von GWR sogar nochmal nachgelegt, allerdings könnte B.Drücke noch zur Besinnung kommen.

3. UWZ-Druckerei und Hafendruckerei Münster
die UWZ-Druckerei ist geschlossen worden, Andreas, der auch das Umweltzentrum aufgebaut hat, ist gestorben, dabei hat Andreas immer soviel getan! Die Hafendruckerei meiner Freunde und Leidensgenossen ist in Insolvenz, vielleicht kommt sie durch, was mich freuen würde, denn ansonsten kommt man sich bei der Schaffung medialer Alternativen bald sehr einsam vor

4. neue Titel und Nachdrucke
wegen der neoliberalen Barbarei gegen die islamischen Länder haben Jörg Siegert und ich eine Broschürenreihe zur politischen Bewußtseinserweiterung angefangen: 11. September / Kommentare -- Der restlinke Wertewandel, uneingeschränkte Kritiklosigkeit an USA und Israel -- Gush Shalom -- Antiterrorkrieg gegen Afghanistan -- Battle of Seattle -- sodann einen: Reader zur Agrarwenden -- Agrarpolitische Eckpunkte für die ök. Landwirtschaft -- Das utopische Klo -- Ein Seitan-Kochbuch -- Tipi-Bauanleitung -- und der 300seiten-Reprint von Wiechula, Wachsende Häuser -- reichts?

5. Termine:
Montag, 6,5, 20°° mache ich in der Kulturtankstelle hier im Haus einen Literaturabend über "Krieg und Frieden", stelle einige Schriftsteller vor, naja, sowas hab ich ja schon häufiger gemacht.
Pfingsten, Montag 20,5, ca 10°° beim Open Ohr Festival in Mainz diskutiere ich auf dem Podium über den Krieg gegen Afghanistan (mein Vortrag steht jetzt im Netz unter Krieg+Frieden - Aktuelles - 25.5.2!
und einen ersten Festivaltmin: 5-7,Juli beim Folkfestival in Rudolstadt zusammen mit den Kastanienhöfern, wird bestimmt gut!
Zum Wendlandcamp in Reddebeitz fahr ich auch wieder, hab den Termin aber noch nicht

6. Festival-Künstlerdorf 2002 und Bauwagen
mit einigen Firmen hab ich schon wieder verhandelt, ob die uns einen Bauwagen etwas billiger lassen, einen Zweiachser hätte ich haben können, aber der ist zu schwer. Und ob und was wir als Künstlerdorf dies Jahr machen, steht noch in den Sternen. Dafür geht es mit der Kulturtankstelle hier im Haus voran, wahrscheinlich bekommen wir eine Schalldämmung gesponsert, das würde die Arbeit enorm beflügeln. Außerdem läuft ein Antrag auf eine neue ABM-Stelle, sodaß die Finanzierung wieder etwas gelockert wäre.

7. das Zeitungsprojekt zu Diskussion und Inspiration für praktische Utopie und konkrete Ökologie, womit ich einen entscheidenden Schritt in Richtung alternativer gemeinschaftlicher Entwicklungen zu machen hoffe, und das sowohl die seit Beginn des Neoliberalismus sich ausbreitende Erosion der alternativen Kultur aufhalten, wie eine viel mehr in die Tiefe gehende Entwicklung reflektieren und fördern soll, kann ich erst angehen, wenn ich über die bisherigen Zusagen hinaus genügend Rückhalt (auch finanziell, geplant ist eine Leihgemeinschaft) habe. Ich habe ein gutes und sicheres Gefühl, daß gerade ein solches Projekt nach den ebenso abgedrehten wie entwicklungslosen 90er Jahren (Ende der Geschichte) notwendige Einschätzungen, Kommunikation und neue Ideen geben kann.

und das wars, Gruß! Herrmann

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